Chancen und Herausforderungen der Globalisierung

Rückblick und Ausgangssituation: 

Zum Ende der achtziger Jahre hat der Strickmaschinenhersteller Mayer & Cie. zwei wichtige Produktionsbereiche: Das ist einmal das traditionelle Kerngeschäft, die Rundstrickmaschinen. In diesem Bereich hat es in Folge der Krise in den siebziger Jahren viele Veränderungen gegeben. Mayer & Cie. hat stark in die Entwicklung von Elektronik- und Single-Maschinen investiert. Eine der prominentesten und populärsten Vertreterinnen der daraus folgenden, neuen Maschinengeneration ist die 1987 vorgestellte, serienreife Relanit. 

Das zweite wichtige Standbein ist die Leiterplattenproduktion für IBM, die seit über zehn Jahren in stetig steigendem Umfang läuft. MCT wird für die Qualität seiner Arbeit immer wieder ausgezeichnet. Seit 1988 ist der Maschinenbauer einer der Hauptlieferanten des IT-Konzerns. 

In den beiden Unternehmensbereichen arbeiten bei Mayer & Cie. in Tailfingen Ende der achtziger Jahre rund 1.000 Mitarbeiter. 1988 haben sie einen Umsatz von rund 160 Millionen DM erzielt. 2.000 Mitarbeiter zählt die gesamte Mayer-Gruppe weltweit, der Umsatz liegt bei rund 300 Millionen DM. 

Ereignisse zu unseren Unternehmenswerten

97% Exportquote

1996 vermeldet Mayer & Cie. den höchsten Auftragsbestand bei Strickmaschinen seit 25 Jahren. In Albstadt sollen die Kapazitäten erweitert werden, so dass die jährlich hergestellte Zahl von aktuell 1.600 Maschinen weiter gesteigert werden kann. 2.000 Maschinen jährlich im Jahr 2000 sind Rainer Mayers griffiges, erklärtes Ziel. 

Er leitet in diesem Zusammenhang einen wichtigen Schritt Richtung Asien ein. Eine Niederlassung in Malaysia wird eröffnet, Mayer Pacific. Das soll mehr Nähe zum dortigen Markt und entsprechende Kapazitäten vor Ort schaffen. Aus demselben Grund lässt Mayer & Cie. die Gestelle der Rundstrickmaschinen in Tschechien bei der 1993 gegründeten Tochter MCR fertigen.

Der Gegenwind wird stärker

„Die Globalisierung hat die internationale Textilindustrie und ihre Zulieferer, die Textil­maschinenbauer, mit voller Wucht getroffen“, schreibt die Frankfurter Allgemeine Zeitung am 05. Juni 1999.
Zu Anfang der Zweitausenderjahre drängen immer mehr asiatische Anbieter auf den Markt. Das Multifaserabkommen, de facto eine protektionistische Beschränkung des Freihandels zulasten der Entwicklungsländer, läuft endgültig aus. 
Die europäischen Hersteller spüren die Folgen, ihre Aufträge gehen zurück. Einer der Gewinner ist China, das 2001 der WTO beitritt.

Die Volksrepublik legt in allen Stufen der textilen Wertschöpfungskette stark zu. 2003 eröffnet der Tailfinger Strickmaschinenhersteller eine Sales and Service Niederlassung in der chinesischen Provinz Shanghai. Die neuen Konkurrenten aus Fernost können Mayer & Cie. zwar nicht bei seinen Stärken, sehr wohl aber im immer größer werdenden Bereich der „Massenware“ packen. Der Auftragseingang bei MCT geht bereits in den ersten zwei Jahren des neuen Jahrtausends merklich zurück. Die Kapazitäten jedoch sind – und bleiben – für eine jährliche Fertigung von 2.000 Maschinen ausgelegt.

Die Stunde Null: Neustrukturierung

2008, im ersten Jahr der Banken-, Wirtschafts- und Immobilienkrise bricht der Auftragseingang vollkommen zusammen. Der Umsatz sinkt im Vergleich zum Vorjahr um nahezu ein Viertel und der Verlust von MCT allein in diesem Jahr beläuft sich auf mehrere Millionen Euro.
Im September 2009 meldet Mayer & Cie. mit 472 Mitarbeitern Plan-Insolvenz unter der Führung des Insolvenzverwalter Dr. Wolfgang Bilgery an. 

Sein Ziel ist es, durch eine Neustrukturierung das Unternehmen dauerhaft zu erhalten. Dazu muss er das Unternehmen „auf eine Kapazität ausrichten, die der Markt für Premiumstrickmaschinen derzeit wie auch in absehbarer Zukunft rechtfertigt“, so das Fachmagazin Textile Network in seiner letzten Ausgabe des Jahres 2009. Für über 200 Mitarbeiter bedeutet das im Dezember 2009 den Verlust des Arbeitsplatzes. Im Januar 2010 zählt das Unternehmen noch eine Belegschaft von 270 Mitarbeitern. 

Relanit E – die erste vollelektronische Strickmaschine der Welt

Anfang der 90er Jahre, und der Maschinensteuerung gewinnt das „E“ zunehmend an Bedeutung. So weiß man bei MCT, dass eine hohe Nachfrage nach hochwertigen, elektronisch programmierbaren Maschinen besteht. In genau diese Gruppe gehört auch die 40.000ste, an Willy Herrmann in Österreich ausgelieferte Maschine, eine vollelektronische Relanit E. Sie kann jedes beliebige Jacquard-Muster, das über das Textil-CAD-Programm erstellt wird, stricken. Zwischen Mustereingabe und Abstricken liegen bei dieser Maschine nur wenige Stunden – für die schnelllebige Modebranche ein ganz wichtiger Faktor.

Einfacher und produktiver – die Relanit-Technologie.
Nichts verbaut den Zugang zur Nadelfontur, Garne lassen sich einfacher einfädeln. Weniger Umlenkpunkte schonen den Faden und reduzieren Fehler im Gestrick. Der Ausschluss von öligem Flaum im Bereich des Gestrickschlauchs vermeidet Ölflecken. Das senkt Materialkosten – gerade beim Einsatz hochwertiger Farbgarne.

Material aus der Raumfahrt: Perunal

Perunal ist ein High-Tech-Werkstoff aus der Luft- und Raumfahrt. Er zeichnet sich durch höchste Maßstabilität bei unterschiedlichen Temperaturen aus, steigert damit die Strickqualität und reduziert den Verschleiß. Weitere Vorteile: Perunal oxidiert nicht, ist wesentlich härter und leitet die Wärme besser ab.

OVJA 1.6 EE: Volljacquard beidseitig

Diese auf der ITMA 2007 erstmals vorgestellte Maschine ist für viele Kunden der Einstieg in die Matratzenstoffproduktion. Die elektronische Einzelnadelauswahl in Zylinder- und Rippschloss setzen der Kreativität keine Grenzen. Die OVJA 1.6 EE strickt Rechts-/Rechts-Jacquard in allen denkbaren Bindungen und Mustern, denn die Rippnadeln mustern voll mit. Die Umstellzeiten sind minimal und mit der neuen MDS 1 Software werden Muster einfach erstellt und vom Laptop direkt von der Maschine übernommen. Einfach ideal für die kreative Mode und die anspruchsvolle Matratzenherstellung.

Positive Nadelführung und Zylindernadel mit beweglichem Nadelfuß (ein MCT-Patent) bringen Betriebssicherheit und Maschenpräzision. Denn die Nadeln werden stets ruhig geführt und sanft umgelenkt. Dadurch entstehen keine Doppel- und Fallmaschen bei deutlich reduziertem Nadelverschleiß. Gerade bei hohen Drehzahlen lässt sich die Produktivität und Wirtschaftlickeit zusätzlich steigern.

Premium allein reicht nicht!

Die neuen Konkurrenten aus Fernost können Mayer & Cie. zwar nicht bei seinen Stärken, sehr wohl aber im immer größer werdenden Bereich der „Massenware“ packen. Mayer & Cie. bietet der Krise aber die Stirn, und zwar dort, wo sie ihren Ursprung hat. 

Die Folgen dieser Marktentwicklung bekommen auch die Mayer-Mitarbeiter, die 2003 bei der ITMA in Birmingham mit dabei sind, am eigenen Leib zu spüren. Die Liste der ausgestellten Maschinen ist umfangreich, ein Abbild der Spitzentechnologie, die MCT mit großem Entwicklungsaufwand immer wieder anbieten kann. Was jedoch ausbleibt, sind die Aufträge, denn kaum jemand will High-Tech.

Was die Kunden wollen, sind billige, produktive Maschinen. So umfasst die Orderliste, die das Messe-Team mit nach Hause bringen kann, kaum mehr als 20 Maschinen.
Man zieht die Lehren aus dem ITMA-Debakel: Die Entwicklungsabteilung befasst sich mit der Entwicklung billigerer Maschinen, die den Premiumhersteller auf dem Massenmarkt wieder konkurrenzfähiger machen sollen. 50 Prozent günstiger als bisher, so lautet das ambitionierte Ziel. 

Für den Massenmarkt zu entwickeln ist eine überaus schwere Entscheidung für ein Unternehmen, dessen Selbstverständnis seit knapp 100 Jahre darin liegt, dem Wettbewerb technologisch immer mindestens eine Nasenlänge voraus zu sein.

Klar ist aber spätestens seit der ITMA 2003, dass dieser, wenn auch schmerzliche Paradigmenwechsel überlebensnotwendig ist. Um sich den Entwicklungsaufwand leisten zu können, der notwendig ist, um Technologieführer zu bleiben, müssen die Verkaufszahlen und damit der Gewinn stimmen.

Die BASICline wird vorgestellt

2005 wird die sogenannte BASICline und die erste wichtige Maschine dieser Linie vorgestellt, die S4. Diese Single-Maschine ist ein Drittel billiger als alles, was MCT bisher in diesem Bereich im Programm hat. 2006 kommt die D4 2.2, die entsprechende Double Jersey Maschine, dazu: Mit diesen Maschinen gelingt es MCT wie geplant, „Märkte mit einfacheren Bedürfnissen zu bedienen“.
In den Jahren 2006 und 2007 geht die Auftragskurve kurzfristig wieder nach oben. Sie erreicht knapp 1.700 Maschinen. 

Rainer Mayer als Botschafter

2009 hat Rainer Mayer sich nach 40 Jahren im Dienste der Strickmaschine eigentlich gerade in den Beirat verabschiedet, als er zurück in die Geschäftsleitung gerufen wird. Rainer Mayer soll, während der Plan-Insolvenz, als eine Art Außenminister Mayer & Cie. repräsentieren.
Rainer Mayer ist bei Kunden und Vertretern auf der ganzen Welt unterwegs, um zu verhindern, dass diese wegen der Krise abspringen. Die Sorge erweist sich glücklicherweise als unbegründet. Nur sehr wenige Kunden kehren Mayer & Cie. den Rücken. Stattdessen erfährt er viel Verständnis und Rückendeckung.

Der Dienst am Kunden wird immer wichtiger

Albstadt. Mayer & Cie. steht heute in einem weltweiten Wettbewerb. Die höhere Investition in eine Mayer & Cie. High-Tech-Rundstrickmaschine rechnet sich für eine Strickerei natürlich nur, wenn die Maschine sowohl quantitativ wie qualitativ deutlich mehr leistet und dazu noch möglichst flexibel ist.

Doch das setzt Bediener der Maschine voraus, welche die Möglichkeiten, die in der Maschine stecken, auch umsetzen können. Deshalb sind umfassende Schulungen eine wichtige Voraussetzung für den erfolgreichen Verkauf. 

Mayer & Cie. hat in Südamerika, Indien, Asien und vor allem in China eigene Schulungszentren, die Mitarbeiter der Kunden in Theorie und Praxis umfassend ausbilden. Das größte Schulungs- und Trainingszentrum steht in Albstadt. Kunden aus aller Welt kommen zu den oft mehr­wöchigen Kursen. Die Welt zu Gast in Albstadt. 

Eine ausgeklügelte Servicelogistik von der Hotline bis zu Einsätzen vor Ort – inklusive kurzfristigem Ersatzteilversand und Einbau – sorgen dafür, dass Stillstandzeiten von Mayer & Cie.-Rundstrickmaschinen auf ein Minimum reduziert werden.

Hoch geschätzt bei den Kunden ist auch die anwendungstechnische Unterstützung durch qualifizierte Spezialisten, die zwar ihren Arbeits­platz in Albstadt haben, aber täglich mit der ganzen Welt kommunizieren. Spezielle Aufgabenstellungen an Strickereien werden von diesen nach Albstadt weitergeleitet und hier bezüglich Maschinen, Einstellungen, Garneinsatz und vielem mehr gelöst.

Am Anfang steht der Preis, doch wer die nächste Maschine an diesen Kunden verkauft, entscheidet die Maschine selbst und der funktionierende After-Sale Service. Hier liegt ein Grund, warum Mayer & Cie. so viele Stammkunden hat.  

Schwarzwälder Bote – Sonderveröffentlichung im Juli 2005 

Modernste Strickmaschine für Gewerbeschule

Um den Industriestandort Deutschland auf den Weltmärkten konkurrenzfähig zu halten, benötigt es eine hervorragende Qualifikation der Arbeitnehmer. Durch die Spende einer Hochleistungsrundstrickmaschine von Mayer & Cie. können die Auszubildenden zum Textilmaschinenführer und -mechaniker in modernster Technologie geschult werden. Die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule bedankt sich für die Modernisierung ihres Rundstrickmaschinenparks.

 

„Die Zukunft stellt uns vor große
Herausforderungen: Wir müssen in der
globalen Welt und der EU-Öffnung wieder
effizienter und flexibler arbeiten und uns
durch Innovation und Qualität einen
Wettbewerbsvorteil verschaffen.“

Rainer Mayer

Mayer & Cie. als einziges Rundstrick­unternehmen dreifach zertifiziert

Der führende Rundstrickmaschinen-­Hersteller Mayer & Cie., Albstadt-Tailfingen, wird im November 1999 mit dem Öko-Audit zertifiziert. Dieses staatliche Audit basiert auf einer EU-Verordnung über die freiwillige Beteiligung gewerblicher Unternehmen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung.

Während das Öko-Audit eine europäische Zertifizierung ist, gelten die Vorgaben von ISO 14001 weltweit für den Umweltschutz. Auch dies Audit besitzt Mayer & Cie., wie auch die Zertifizierung des Qualitäts- und Produktmanagements nach ISO 9001. Mayer & Cie. dürfte damit weltweit der einzige Rundstrickmaschinenhersteller sein, der alle 3 Zertifizierungen besitzt.

Selliand Textilberichte, April 2000

Bekenntnis zum Standort Albstadt

Der weltweit überdurchschnittliche Nachfrage-Zuwachs für Rundstrickmaschinen veranlasst Mayer & Cie. zu einer großräumigen Produktionserweiterung – trotz schwieriger Verkehrsanbindung.
Die Inbetriebnahme wird mit einem Festessen und einem Betriebsrundgang gefeiert.

„Die Zeit prägt ein Unternehmen, Menschen formen es.“

Im Jahr 2005 steht für das Unternehmen ein wichtiges Jubiläum an:
Mayer & Cie. wird 100 Jahre alt, ein Anlass, der gebührend gefeiert wird. Zur Unternehmensgruppe gehören im Jubiläumsjahr neben den Niederlassungen in Brasilien, China und den USA folgende Unternehmen:
Mayer ReCond, Maschinenfabrik Spaichingen, Hans Rüster in Deggingen, Mayer Braidtech, die Firma Merz in Hechingen sowie Helios in Niedernhall.

Rainer Mayer spricht anlässlich des Jubiläums über die erfolgreiche Geschichte des Unternehmens und die aktuelle Marktsituation. China ist der volumenmäßig stärkste Zukunftsmarkt, für den man auch eigens eine Strickmaschine entwickelt. Allerdings, das stellt MCT-Geschäftsführer klar, will man sich nicht auf China konzentrieren, denn „wir sehen nach wie vor großes Potential in Ländern wie der Türkei, Indien sowie Mittel- und Lateinamerika.“

Auch in der Freizeit ein eingeschworenes Team

Albstadt. Es ist nicht nur der gemeinsame Arbeitsplatz, der die Mitarbeiter der Firma Mayer & Cie. miteinander verbindet. Viele haben gemeinsame Hobbys und Interessen, denen sie gemeinsam nachgehen und dabei den Namen Mayer & Cie. auf ihrem Dress tragen. Die Freizeitaktivitäten sind recht vielfältig, mit am bekanntesten ist das Fußballteam, das immer wieder bei Freizeit­turnieren vertreten ist. Und auch die Sportschützen und Sportkegler sind recht aktiv. Es treffen sich die Motorrad- und Wanderfreunde und seit neuestem gibt es auch ein Mountainbike-Team.

Schwarzwälder Bote – Sonderveröffentlichung im Juli 2005


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